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Foto: obs/Brand Science Institute (BSI)

Bei deutschen Autofahrern und Konsumenten für der Diskurs um den Dieselskandal verstärkt zur Bereitschaft, die Automarke zu wechseln und sich verstärkt auf Elektromobilität zu fokussieren.

Was beschäftigt die Deutschen beim Thema Diesel- und Abgasskandal am meisten?

Dies sind zwei der Ergebnisse einer aktuellen Studie des Brand Science Institute (BSI), die der Frage nachgeht, was die Deutschen beim Thema Diesel- und Abgasskandal am meisten beschäftigt.

„Die rund um den Dieselskandal geführte Debatte kann mittlerweile als eines der größten Konjunkturprogramme der Nachkriegszeit bezeichnet werden“, sagt Dr. Nils Andres, Geschäftsführer des Brand Science Institute (BSI) und Leiter der Studie. „Problematisch ist jedoch, dass ein indirekter Effekt die Käufer dazu motiviert, ausländische Markenhersteller und neue Mobilitätskonzepte wesentlich stärker in die Kaufentscheidung einzubeziehen“.

Dabei entstünden ehebliche Defizite für die deutsche Automobilindustrie

„Kunden drohen dadurch stärker zu ausländischen Automobilmarken abzuwandern. Und in Sachen Elektromobilität fehlt es hierzulande immer noch an tragfähigen Marktkonzepten.“ Die in Deutschland geführte Diskussion unterstütze laut der Wissenschaftler folglich ausländische Industrien wesentlich stärker als die deutsche. „Lösungsansätze und Maßnahmen zur Aufarbeitung des Abgasskandals sollten stärker auf die eigene Industrie einzahlen“ rät Andres.

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Auswirkungen für die Umwelt und gesundheitliche Schäden stehen bei den Deutschen nicht im Fokus des Interesses. Dr. Nils Andres:

„Es liegt daher nahe, dass die Diskussion rund um den Abgasskandal immer stärker einen Selbstzweck verfolgt, statt die eigentlichen Konsequenzen für Mensch und Umwelt zu thematisieren.“

Themenkomplex „Dieselskandal“ vergleichsweise positiv besetzt

Insgesamt bewegen die Deutschen knapp 1476 Fragestellungen rund um den Diesel- und Abgasskandal. Mit Hilfe des „Phrasing“, einem neuen wissenschaftlichen Ansatz, wurden die relevantesten Fragestellungen hieraus in einem mehrstufigen Verfahren extrahiert. Die Datenbasis hierfür lieferte u.a. Google Autosuggest. Auf Basis von Netzwerkanalysen wurden die Strukturen hinter den Fragestellungen identifiziert und die Motive mit Hilfe motivationsforscherischer Ansätze genauer analysiert.

Zehn zentrale Themenfelder beschäftigen die Deutschen am meisten.

Dabei konnten die Wissenschaftler zehn zentrale Themenfelder identifizieren, die die Deutschen besonders interessieren und folgende zentrale Erkenntnisse gewinnen:

„Dieselskandal“ und „Abgasskandal“ werden nicht, wie vorher

angenommen, unmittelbar als Synonyme verstanden.

Der Begriff „Abgasskandal“ umfasst die politisch-rechtliche

Dimension und wird von den Deutschen zumeist negativer diskutiert als

„Dieselskandal“. „Abgasskandal“ löst den Untersuchungen zufolge sechs

Mal stärkere persönliche Betroffenheit aus und ist mit etwa 25

Prozent negativeren Emotionen behaftet, was an der wachsenden

Verunsicherung deutscher Verbraucher liegt.

– Die Diskussion um den „Abgasskandal“ sucht vor allem nach

Ursachen, der Schuldfrage und der rechtlichen Verantwortung und ist

rückwärtsorientiert und auf der Suche nach Antworten auf die Frage,

was falsch gemacht wurde.

Der Begriff „Dieselskandal“ charakterisiert die

privat-wirtschaftlichen Konsequenzen, die für jeden einzelnen

Betroffenen entstehen, und resultiert erstaunlicherweise in

vergleichsweise positiven Motiven. Der Begriff ist mit etwa 40

Prozent mehr positiven Emotionen verbunden als der „Abgasskandal“. So

sind Aufbruch, Veränderung und eine gewisse Zukunftsorientierung

zentrale Treiber, die die Bereitschaft zu (Neu)Käufen signifikant

positiv beeinflussen, so dass Kaufakte zeitlich vorgezogen werden.

– Die Wechselbereitschaft zu anderen, meist ausländischen

Automobilmarken und neuen Mobilitätskonzepten wie der

Elektromobilität werden bei der Diskussion rund um den Dieselskandal

stark begünstigt und sogar forciert.

Negative Konsequenzen für Mensch und Umwelt, die den

eigentlichen Referenzpunkt der Studie darstellen, sind im relativen

Verhältnis unterrepräsentiert und finden geringes Interesse.

Automobilhersteller wie Volkswagen, Mercedes und Audi stehen

zwar noch im in einem signifikanten Zusammenhang mit dem

Abgasskandal. Thematisch werden sie aber eher mit Fahrverboten in

deutschen Großstädten assoziiert.

BMW steht als Marke weitaus weniger im Fokus der geführten

Debatte als andere Marken.

Die Medien haben einen erheblichen Einfluss auf die von den

Deutschen gestellten Fragen rund um den Dieselskandal. Dadurch

bleiben Fragestellung bezüglich des Hintergrundes und des Ursprungs

des Abgasskandals auch weiterhin relevant.

Foto: DIE ZEIT

Interessante Neuigkeiten bei VW hat die Tageszeitung DIE ZEIT hervorgebracht

In einer vertraulichen Präsentation der Konzernentwicklung, die der Wochenzeitung DIE ZEIT vorliegt, heißt es: Bei rund 70 % der Fahrzeuge sei eine entsprechende Abgasanlage „aus dem Baukasten im Unterboden einsetzbar“. Zu diesen Autos zählten die VW-Modelle Passat und Golf, der Audi A3 und der Skoda Octavia.

Für Audi ist eine Neuentwicklung erforderlich

Für 30 % der Modelle, darunter Audi A4/A5 und VW Polo sei eine „Neuentwicklung“ der sogenannten SCR-Abgasreinigung erforderlich. Noch am Dienstag dieser Woche betonte VW-Chef Matthias Müller, er halte Hardware-Nachrüstungen für „nicht sinnvoll“.

Umrüstung hätte in diesem Jahr starten können

Laut der VW-internen Untersuchung hatte Volkswagen die Bauteile für die Umrüstung zum Großteil selbst im Angebot. Dazu zählen Teile für die Abgasanlage und Sensoren. Die Umrüstung hätte in diesem Jahr starten können. Auf Anfrage teilt Volkswagen mit, dass es sich vermutlich um eine Analyse handele, in der es „rein um die mechanische Einbaubarkeit“ verschiedener Teile zur Abgasnachbehandlung ging. Heute sei „eine akzeptable Produktreife der Hardware-Nachrüstung kurzfristig nicht darstellbar“.

Foto: Peugeot Deutschland GmbH

Wer die Fachpresse in den letzten Wochen aufmerksam verfolgt hat, der wird mitbekommen haben, dass es durchaus risikoreich sein kann, jetzt einen Diesel zu kaufen oder zu leasen. Denn wenn die Rechtsprechung in Deutschland erstmalig Fahrverbote möglich macht, sitzt man auf den Kosten des Leasingvertrages ohne Fahren zu dürfen oder muss einen enormen Wertverlust des Dieselfahrzeuges in Kauf nehmen.

Gute Idee von Peugeot zur Diesel-Katastrophe  

Peugeot bringt nun mit der Diesel-Sorglos-Garantie ein Stück Sicherheit in den Dieselkauf zurück. Wer einen Leasing-Vertrag für einen Peugeot Diesel 308, 2008, 3008 oder 5008 mit einer Euro 6-Norm-Motorisierung abschließt, kann sich zurücklehnen: Sollte ein Diesel-Fahrverbot in den deutschen Innenstädten geben, kann das Auto beim Vertragshändler ohne zusätzliche Kosten zurückgegeben werden. Voraussetzung ist, dass der Kunde über die PSA Bank Deutschland einen neuen Leasing- oder Finanzierungsvertrag für ein anderes Peugeot Modell abschließt.

Steffen Raschig, Geschäftsführer Peugeot Deutschland GmbH:

 „Kunden, die einen Peugeot fahren, sollen darauf vertrauen können, dass sie mit ihrem Auto überall hinfahren können – auch in die deutschen Innenstädte. Sie sollen wissen, dass sie mit einem Peugeot Mobilität und gleichzeitig Zuverlässigkeit und Sicherheit erwerben, wie sie nur durch modernste Umwelttechnik und einzigartige Transparenz ohne versteckte Kosten möglich ist.“

Die Diesel-Sorglos-Garantie

Die Diesel-Sorglos-Garantie von Peugeot greift im Falle eines Diesel-Fahrverbots in deutschen Innenstädten und garantiert einen ablösefreien Fahrzeugwechsel von einem Peugeot Diesel Euro 6-Modell auf einen Peugeot mit PureTech-Benzinmotor durch den Peugeot Händler.

Sie gilt für private und gewerbliche Kunden mit Leasing-Vertrag für die Peugeot Modelle 308, 2008, 3008 und 5008 mit Diesel-Motorisierung Euro 6d-TEMP bzw. Euro 6. Die genauen Bedingungen sind online unter www.peugeot.de/diesel-sorglos-garantie abrufbar.

 

Foto: Wikimedia

Noch unmittelbar vor der Beendigung der Koalitionsgespräche in Berlin mischt sich die Deutsche Umwelthilfe indirekt in die Debatte ein. Es stellt sich sehr deutlich die Frage, wie die Bundesregierung, sollte sie sich nun bald bereits konstituieren im Umgang mit den Folgen und den laufenden Abgasskandalen der deutschen Automobilindustrie umgehen wird.

Resch widerspricht Hendricks

Zuvor widerspricht der Bundesgeschäftsführer schon einmal der noch amtierenden Bundesumweltministerin Hendricks.

„Bundesumweltministerin Hendricks liegt falsch, wenn sie davon spricht, dass nur 70 Städte in Deutschland ein Problem mit dem Dieselabgasgift NO2 haben. Wir messen seit heute für einen Monat an 580 Orten nach, vor allem dort, wo der Staat trotz hoher Luftbelastung aktiv wegschaut. Wir gehen davon aus, dass mehr als 300 Städte und Gemeinden eine zu hohe Belastung mit NO2 aufweisen“, sagt Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH. Richtwert ist der EU Jahresmittelgrenzwert für NO2 von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter.

Jedes Jahr über 12.000 Todesfälle aufgrund von NO2

Jedes Jahr sind alleine in Deutschland über 12.860 vorzeitige Todesfälle auf die Belastung der Luft mit dem Dieselabgasgift NO2 zurückzuführen. Das sind viermal mehr, als durch Verkehrsunfälle ums Leben kommen.

„Die heute vom Umweltbundesamt veröffentlichten vorläufigen Messdaten zur Stickstoffdioxidbelastung in 2017 zeigen nur einen geringen Rückgang der NO2-Belastung. Jede zweite verkehrsnahe Messstelle zeigt eine Überschreitung des aktuell geltenden Jahresmittelgrenzwerts. Im vergangenen Jahr half zudem der Wettergott: Es gab nur wenige Tage mit austauscharmen Inversionswetterlagen. Unter diesen begünstigenden Rahmenbedingungen ist eine durchschnittliche Verbesserung der Belastungswerte von nur zwei Mikrogramm enttäuschend,“ so Resch weiter. „

Die UBA-Analyse der NO2-Belastung in 2017 belegt: „Diesel-Fahrverbote sind in den hoch belasteten Städten unvermeidbar,“ so das Fazit des Bundesgeschäftsführers.

Foto: Wikimedia

Der Volkswagenkonzern hat ein Management, das scheinbar darauf geschult wurde, absolut kein Fettnäpfchen auszulassen. Nach dem Bekanntwerden, dass mit einem eigens zu Forschungszwecken gegründeten Verein, Tierversuche an Affen durchgeführt wurden, hat es in der Öffentlichkeit einen deutlichen Aufschrei gegeben. Während viele die Abgasmanipulationen noch für sich als Bagatelle abgetan haben, reißt der neuerliche Tierversuchsskandal das Image der Marke nun deutlich nach unten.

Volkswagen bemüht sich um Schadensbegrenzung und beurlaubt Generalbevollmächtigten Steg

Der Volkswagenkonzern bemüht sich in diesem Zusammenhang nun um Schadensbegrenzung und feuert scheinbar einen „Generalbevollmächtigten“ Einen wie es scheint Cheflobbyisten des Konzerns, der – selbstverständlich für ein Bauernopfer- die volle Verantwortung in der Sache übernehmen will. Durch das Herumexperimentieren mit Autoabgasen an Tieren und wie etwas später zu hören war, auch an Menschen, wurde die Debatte stark emotionalisiert.

Müller distanziert sich

Auch der Vorstand Matthias Müller distanzierte sich öffentlich von der Versuchsreihe mit den Affen. Sinngemäß gab er der Presse zu verstehen, dass es Dinge gäbe, die man einfach nicht tut. Nach Meinung von Müller, gehören solche Versuche scheinbar dazu. Ob die späte Reue noch was bringt bleibt allerdings abzuwarten. Auch Kanzlerin Angela Merkel äußerte sich bereits für Ihre Verhältnisse ziemlich deutlich.

Steg ist seit 2012 Generalbevollmächtigter bei VW. Steg wurde vermutlich vor allem wegen seiner Kontakte in die Politik bei VW angeheuert.

Es bleibt abzuwarten ob der Vorstand diese Krise überlebt. So wie es ist, kann es nicht bleiben bei VW.

Foto:Screenshot

Audi muss erneut etliche Fahrzeuge umrüsten.

Die Pressemeldungen zu Beginn des neuen Jahres ließen sowohl bei Audi als auch bei Volkswagen darauf schließen, dass eine eklatante Markenbeschädigung durch den Abgasskandal ausgeblieben ist. Im Gegenteil: Die Hersteller rühmen sich im Ganze der Absatzrekorde. Letztlich scheint man die Zeichen der Zeit zumindest in Bezug auf den Umweltschutz noch immer nicht wirklich verstanden zu haben. Wie zunächst von der Bild am Sonntag berichtet worden ist, muss Audi nämlich erneut erheblich viele Fahrzeuge zur Umrüstung in die Werkstätten zurückrufen. Allein in Deutschland seien rund 77.600 Fahrzeuge von der erneuten Rückrufaktion betroffen. Weltweit sind es insgesamt rund 127.000 Fahrzeuge betroffen.

Betroffen seien die V6-TDI Motoren von Audi

Audi, so gibt der Konzern in offiziellen Meldungen bekannt, arbeitet streng und eng mit den Behörden zusammen und so sei es nun dazu gekommen, dass das KBA Unregelmäßigkeiten an der Software der Motorsteuerungen in den V6-TDI Dieselmotoren aufgedeckt habe. In diesem Zuge sei bereits jetzt eine neue Software, bzw. ein Softwareupdate entwickelt worden, das gerade zur Prüfung beim KAB vorliege. Sobald die Software freigegeben ist, werde Audi damit beginnen die Fahrzeuge in die Werkstädten zurückzurufen.

Laut Bild am Sonntag gibt es auch Drohungen gegen das neue A8-Modell

Das bis Mitte 2017 produzierte Audi A8 Modell scheint ebenfalls auf der Liste der Umweltschützer bzw. des KBA’s zu stehen. Hier gibt es Beanstandungen am Topmodel mit TDI 8-Zylinder-Motor und Euro-6 Zulassung. Ganz offenbar droht hier ein Zulassungsverbot.

Foto: Wikimedia

Der aktuelle VW-Marken-Chef Herbert Diess setzt weiter auf die beliebte aber leider in Veruf geratene Diesel-Technologie. In einem Interview mit dem Hamburger Magazin stern sagte der VW-Vorstand:

„Der Diesel wird teurer, ist dafür aber auch noch sauberer.“ Die Selbstzünder-Technik behalte für größere Fahrzeuge und hohe Kilometerleistungen weiterhin Bedeutung. „Ich würde den Diesel noch lange nicht abschreiben“, so Diess.

VW: Elektromobilität langsamer aber besser

Auch bei der Elektromobilität sieht der Manager Volkswagen gut aufgestellt. Vom E-Golf könne VW mehr absetzen, „als wir herstellen können“. Im Vergleich zu anderen Herstellern sei der Konzern vielleicht langsamer, „aber wir machen es besser“. Die Geschichte der Technik zeige, „dass es häufig Unternehmen gibt, die zu früh sind und darum scheitern.“ Ab 2020 habe VW dank einer speziellen E-Plattform „deutliche Vorteile bei Raumangebot, Kosten und Emotionalität“.

Positive Bilanz in Punkto Markengeschichte

Bei der Bewältigung der VW-Diesel-Affäre zog der VW-Marken-Chef eine positive Bilanz: „In Deutschland sind über 90 Prozent der Fahrzeuge mit der neuen Software versehen.“ Es gebe nur sehr wenige Beanstandungen, „unter ein Prozent“. Es werde sicher aber noch Jahre dauern, den Vertrauensverlust aufzuholen. Zu den staatsanwaltlichen Ermittlungen auch zu seiner Person, sagte Diess: „Für mich steht vollkommen außer Frage, dass ich mich hier zu jeder Zeit korrekt verhalten habe.“

Neue, offenere Unternehmenskultur mit der Fähigkeit zur Kritik

In der Unternehmenskultur bei Volkswagen gibt es laut Diess einen grundlegenden Wandel. Man könne jetzt auch seinen Chef offen kritisieren, deswegen fliege niemand mehr raus. „Wir alle müssen uns an die neue Offenheit aber erst gewöhnen“, sagte das Mitglied des VW-Konzernvorstandes. Unzufrieden sei er nach wie vor mit dem Bürokratieabbau. Er sei mit dem Anspruch zu VW gekommen, das schnell zu ändern. Da müsse er sagen: „Wir sind noch nicht weit genug gekommen.“ Es würden sich bei ihm immer noch Leute beschweren: „Sitzungen werden zu umständlich vorbereitet, die Besucheranmeldung im Werk ist ein echter Papierkrieg. Da ist noch viel zu tun.“

Foto: ZDK

Eigentlich ein Thema, bei dem die Grünen Ihr Kernklientel erreichen könnten, haben Sie zumindest in diesem Wahlkampf, der schon am Sonntag enden wird, links liegen gelassen. Nun so kurz vor dem Ende und dem drohenden Wahldebakel spielen sich die Grünen noch einmal als Anwalt der Umwelt auf und präsentieren sich als Praktikant beim ZDK.

Cem Özdemir in der Werkstatt von ZDK Präsident

In der Werkstatt des Autohauses von ZDK-Präsident Jürgen Karpinski informierte sich Cem Özdemir über das Diesel-Nachrüstsystem der Twintec Baumot Group für einen Volkswagen Passat mit Euro 5-Norm.
Nachrüstung sei Pflicht, fordert Özdemir

Cem Özdemir, Vorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen:

„Unsere Kraftfahrzeugbranche hat die Technik und das Know-how dafür, den Diesel nachzurüsten. Jetzt muss die Politik klar mit Richtlinien dafür sorgen, dass die Leute, die sich im guten Glauben einen Diesel gekauft haben, nachher nicht die Gelackmeierten sind. Der Diesel muss wirkungsvoll nachgerüstet werden, damit sie am Ende nicht in die Fahrverbote reinfahren. Das gute ist, wir haben die Unternehmen dafür, die die Nachrüstung machen können. Diejenigen, die hart gespart haben für ihren Diesel, dürfen nachher nicht die Leidtragenden sein.“

Foto: ADAC

Die deutschen Automobilhersteller, allen voran Volkswagen, Mercedes, BMW und auch Porsche stehen unter massivem Druck. Die Ihnen vorgeworfenen Schummeleien sind Gift für das Image des Automobilstandort Deutschland. Nun allerdings hat sich der ADAC die Aufgabe gemacht, auch mal die Euro-6-Dieselfahrzeuge der ausländischen Automobilhersteller mit Langzeitperspektive durchzutesten. Tatsächlich kam der Automobilclub zu einem überraschenden Ergebnis.

Auch die Abgasreinigungen der ausländischen Hersteller versagen im Test

So läge nach der ADAC Untersuchung der durchschnittliche NOx-Ausstoß der getesteten Fahrzeuge des Renault-Konzerns fast fünfmal so hoch wie bei Modellen von BMW. Der Renault Grand Scénic 160 dCi z.B. stößt innerorts genauso viel Stickoxide aus wie rund 230 Fahrzeuge des Typs BMW 520d, nämlich 1.674 Milligramm pro Kilometer.

„Der ADAC EcoTest zeigt, dass so gut wie alle Hersteller ein massives Emissions-Problem bei ihren Dieselfahrzeugen haben. Wir sehen aber auch: Für die vornehme Zurückhaltung der Importeure nach dem ersten Dieselgipfel gibt es keinen Grund“, so Thomas Burkhardt, ADAC Vizepräsident für Technik. „Im Gegenteil: Wenn Politik und Industrie Fahrverbote für Dieselfahrer tatsächlich verhindern möchten, muss die Politik jetzt alle Hersteller auf verbindliche Hardware-Nachrüstungen ihrer Autos verpflichten. Die angekündigten Software-Updates bringen mit Blick auf die Umweltbelastung zu wenig Wirkung.“

Deutsche Hersteller erreichen niedrigste Schadstoffwerte im Flottenvergleich

Mit der neuesten Untersuchung hat der Automobilclub die durchschnittlichen Stickoxid-Emissionen der Autokonzerne für die getesteten Euro-6-Dieselmodelle erhoben. Die deutschen Hersteller erreichen dabei das niedrigste Schadstoff-Niveau im Flottenvergleich. Fahrzeuge der BMW-Gruppe (BMW, Mini) schnitten demnach am besten ab, gefolgt von Fahrzeugen des Volkswagen-Konzerns (u.a. VW, Audi, Skoda), Mercedes und Opel.

Renaults erweisen sich laut Studie als besonders schmutzig

Besonders hohe Schadstoffausstöße hingegen waren neben dem Renault-Konzern (Renault, Dacia) bei Fiat-Chrysler (u.a. Fiat, Alfa Romeo, Jeep), Ford, der Hyundai-Gruppe (u.a. Hyundai, Kia), Volvo und dem PSA-Konzern (u.a. Peugeot, Citroen) zu verzeichnen. Anders als die großen deutschen Hersteller hatten es die Importeure beim nationalen Dieselforum Anfang August abgelehnt, ihre Dieselmodelle nachzubessern.

Mercedes verschlechtert sein Ergebnis durch Renault-Kooperation

In der Auswertung wurden die getesteten Modelle unabhängig von Kooperationen und gemeinsamen Motorplattformen ihrem jeweiligen Mutterkonzern zugeordnet. So könnte beispielsweise Mercedes noch besser abschneiden, hätten die Stuttgarter nicht auch Fahrzeuge mit Renault-Motoren im Programm. Im ADAC EcoTest stammt das schlechteste Ergebnis eines Daimler-Fahrzeugs von einem 1,6-l-Renault-Dieselmotor mit Speicherkat. Dieser stößt fast 15-mal so viel NOx aus wie die neuen Mercedes-eigenen Dieselmotoren.

Foto: Gabriele Preuß, Pressemitteilung vom 03.08.2018

Gabriele Preuß, Mitglied des Europäischen Parlaments und engagiert für europaweiten Verbraucherschutz, erklärt zum Ergebnis des Diesel-Gipfels:

 

„Bleiben wir mal ehrlich, auch wenn es nun heißt, Fahrverbote können durch die Vereinbarungen verhindert werden, so ist die Entscheidung über Fahrverbote auf den Straßen unserer Städte nun den Gerichten überlassen worden.“

 

Umweltverbände klagen auch in Gelsenkirchen

Umweltverbände klagen in vielen Städten, wie beispielsweise in meiner Heimatstadt Gelsenkirchen, und ich möchte keine Prognose wagen, ob diese Klagen zu Fahrverboten führen werden. Luftreinhaltepläne und Grenzwerte dienen dem gesundheitlichen Schutz unserer Bürgerinnen und Bürger als Anwohner oder Nutzer viel befahrener Straßen. Dabei trägt auch die Industrie Verantwortung für die Entwicklung ihrer Produkte. Das augenblickliche Dilemma ist, dass nur auf Zeit gespielt werden kann, denn es wäre unrealistisch zu glauben, dass der Personennahverkehr in unseren Städten in der Lage gewesen wäre kurzfristig die vielen Betroffenen eines Fahrverbotes aufzunehmen und Park&Ride Zonen in diesen Größenordnungen zu schaffen.

Autoindustrie darf sich auf Software-Updates nicht ausruhen

Doch die Automobilindustrie darf sich auf Software-Updates nicht ausruhen. Einige Manager, denen der schnelle Profit wichtiger war als nachhaltige Entwicklung und Verbraucherschutz setzen das Vertrauen in Qualität und Innovationsfähigkeit dieser Branche aufs Spiel. Auch mehr als eine Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vertrauten auf die Konkurrenzfähigkeit unserer Automobilindustrie. Hier gilt es nun kurzfristig Strategien für den Übergang zu alternativen und nachhaltigen Antriebstechnologien vorzugeben.“ Kämpferisch fügt Preuß hinzu:

„Wir werden als SPD-Europaabgeordnete alles daran setzen, dass die bis vor wenigen Monaten ahnungslosen Käuferinnen und Käufer von Dieselfahrzeugen, die ArbeitnehmerInnen der Branche und die finanzschwachen Städte die verschlafene Entwicklung und ausbleibende Kontrolle der Automobilindustrie nicht ausbaden müssen. Auch auf EU-Ebene werden wir sozialdemokratischen Abgeordneten den Druck auf die EU-Industriekommissarin Elżbieta Bieńkowska erhöhen. Sie macht es sich bisher zu einfach, EU-Mitgliedstaaten zu kritisieren und Fahrverbote in Erwägung zu ziehen. Die Konkurrenzfähigkeit der Autoindustrie in Europa muss durch eine von uns seit langem geforderte Industriestrategie gestärkt werden, die die Erhöhung der E-Mobilität und neue alternative Antriebstechniken antreibt und gleichzeitig Arbeitsplätze und Verbraucherschutz sichert.